|
Sicherlich waren es die Etrusker, fasziniert von den Möglichkeiten des „Galestro“ dieser einmaligen Erde aus Impruneta, die dem Cotto von Impruneta den ersten grossen Impuls gaben.
Doch erst während der Renaissance wird der Cotto in herrlichen Villen und Palästen, wo die Idee vom Menschen als Zentrum des Universums zum Ausdruck kam, zum Protagonisten. Als das Licht der Renaissance verblasst, nimmt die Vernachlässigung des Cottos ihren Lauf: mit der Zeit wird er in jenen Häusern zur Erbschaft der bäuerlichen Zivilisation, die zusammen mit den Hügeln und Zypressen die einzigartige Schönheit der toskanischen Landschaft prägen.
Die bäuerliche Zivilisation in der Toskana, die das Herrenhaus miteinbezieht, vertraut dem Cotto wichtige Aufgaben an: als Dachdeckung und Fussboden im Haus, zur Verzierung und zum Schutz des wertvollen Öles.
|
|
In Impruneta, wie übrigens auch anderswo, sind es zu Anfang die Landgüter, die Cotto herstellen. Im Winter, wenn weniger Arbeitskräfte auf den Feldern benötigt werden, wird in bescheidenen, kleinen Brennöfen Cotto für den Eigenbedarf erzeugt. Aber schnell setzt sich die Güte des Produktes aus Impruneta durch: die Anfrage steigt und viele Arbeiter spezialisieren sich und eröffnen eigene Betriebe.
Anfang letzten Jahrhunderts ist Carlo Sannini Baldassarri trotz seiner nur kleinen Brennerei einer der bedeutensten Hersteller von Cotto aus Impruneta, bekannt für die ausgezeichnete Qualität des Galestro seiner Abbauhalden und geschätzt wegen der Solidität der eigenen Realisationen.
Doch die handwerkliche Tätigkeit setzt zu enge Grenzen. Er weiß, dass in Europa auf dem Gebiet der Baumaterialien neue Techniken entwickelt werden; Carlo Sannini Baldassarri begibt sich auf eine einjährige Reise durch Europa, um mehr über diese neuen Techniken zu lernen und bestellt nach seiner Rückkehr einige der Maschinen, die für die Cottoherstellung besonders interessant erscheinen.
Eine größere Produktionsstätte muß geschaffen werden und 1910 gründet Carlo Sannini Baldassari — für damalige Zeiten mit beträchtlichem Wagemut - die neue Fabrik, der er stolz den Namen "Technisches Werk zur Herstellung von Ziegelsteinen" verleiht: die erste industrielle Niederlassung für die Herstellung von Cotto.
Die Produktion wurde allen damaligen Bedürfnissen gerecht: von Ziegeln bis zu Blumengefässen, von Rohrleitungen bis zu Ölkrügen; trotz laufender Erneuerungen behält die Firma Sannini jedoch auch den engen Kontakt zu der Kultur und Geschichte des Cottos und trägt im Laufe der Jahre zu bedeutenden Restaurationsarbeiten bei.
So wird Sannini duch Fachwissen und Einsatz zum unumgänglichen Partner während der Phase des Wiederaufblühens des Cotto; ein Wiederaufblühen, das seit der Nachkriegszeit keinen Halt mehr machte.
Dessen sind sich auch jene Architekten bewusst, die Anfang der 50er Jahre beabsichtigten, die architektonischen Werte des Cottos wieder aufleben zu lassen und die in Sannini eine sachkundige Zusammenarbeit gefunden
haben.
Das toskanische Haus wird zum Mittelpunkt des Interesses und der Cotto findet seine Poesie, Eleganz und Wärme
wieder.
Cotto setzt sich dank seiner Natürlichkeit, seiner Ausdruckskraft und langen Geschichte und vor allem dank der außerordentlichen
Eigenschaften, die ihn in Innen- und Außenbereichen gleichermaßen überdauern
lassen, durch.
Auf die neue Realität des Cotto kann Sannini mit der Kompetenz der eigenen Tradition antworten aber auch mit der Genialität die dem eigen
ist, der als erster versucht hat, einer der bedeutendsten Bezeugungen der antiken toskanischen Tradition Einsatz und Entwicklung zu
geben.
|